Portrait of two smiling women holding files and talking, standing in crowded lobby

Souverän netzwerken: Warum echtes Interesse mehr bewirkt als der perfekte Auftritt

Ein Raum voller Menschen, viele unbekannte Gesichter und die Frage: Mit wem komme ich ins Gespräch? Networking-Events bieten wertvolle Chancen, neue Kontakte zu knüpfen und bestehende Beziehungen zu vertiefen. Doch nicht jeder fühlt sich dabei auf Anhieb wohl. Dabei braucht erfolgreiches Netzwerken weder den perfekten Auftritt noch möglichst viele Visitenkarten. Entscheidend sind echtes Interesse, Aufmerksamkeit und die Fähigkeit, anderen Raum zu geben. Denn Menschen erinnern sich weniger daran, was wir erzählen, als daran, wie sie sich in unserer Gegenwart gefühlt haben.

Beziehungen aufbauen statt Kontakte sammeln

Fachliche Kompetenz ist wichtig, aber häufig nicht das entscheidende Unterscheidungsmerkmal. Gerade wenn Menschen über vergleichbare Qualifikationen verfügen, können persönliche Begegnungen den Unterschied machen. Wer kennt wen? Mit wem habe ich mich gut unterhalten? Wem vertraue ich? Solche Fragen spielen im Berufsleben oft eine größere Rolle, als wir denken. Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Kontakte zu sammeln. Ein gutes Netzwerk entsteht durch gegenseitiges Interesse und die Bereitschaft, nicht nur zu nehmen, sondern auch etwas zu geben. Wer andere unterstützt, Wissen teilt oder Menschen miteinander verbindet, schafft die Grundlage für langfristige Beziehungen.

Besonders spannend wird Netzwerken übrigens außerhalb der eigenen Komfortzone. Wer ausschließlich mit Menschen spricht, die ähnliche Erfahrungen, Meinungen und Lebensentwürfe haben, bleibt schnell in der eigenen Blase. Unterschiedliche Perspektiven hingegen eröffnen neue Möglichkeiten und bringen uns auf Ideen, auf die wir allein vielleicht nie gekommen wären.

Der erste Eindruck: Zugewandt statt aufgesetzt

Schon die Begrüßung entscheidet darüber, wie eine Begegnung beginnt. Doch gerade hier hat sich in den vergangenen Jahren einiges verändert. Während Handschlag, Umarmung oder Küsschen früher häufig selbstverständlich waren, sind die Begrüßungsrituale seit der Pandemie deutlich individueller geworden. Körperkontakt ist heute keine Voraussetzung für eine herzliche Begrüßung. Ein freundliches Lächeln, offener Blickkontakt und eine zugewandte Körperhaltung vermitteln Interesse und Wertschätzung. Gleichzeitig darf jeder selbst entscheiden, wie viel körperliche Nähe sich richtig anfühlt. Und wenn es doch einmal zu einem kleinen Missverständnis kommt – die eine Person möchte die Hand reichen, die andere setzt zur Umarmung an? Dann hilft Humor. Wer darüber schmunzeln kann, nimmt der Situation die Peinlichkeit und hat möglicherweise schon den ersten gemeinsamen Gesprächsanlass gefunden.

Guter Small Talk beginnt mit Zuhören

Small Talk lässt sich vorbereiten. Wer sich vorab über Veranstaltung, Location und Gäste informiert und eine interessante Antwort auf die Frage „Was machen Sie beruflich?“ parat hat, startet sicherer ins Gespräch. Gute Gesprächsthemen sind persönlich, aber nicht privat. Offene Fragen und gemeinsame Anknüpfungspunkte erleichtern den Einstieg. Viele Menschen beschäftigen sich allerdings während eines Gesprächs bereits mit ihrer nächsten Antwort. Aus Sorge vor einer peinlichen Pause überlegen sie, was sie gleich erzählen könnten – und verpassen dabei, was ihr Gegenüber gerade sagt. Dabei liegt genau hier eine der wirkungsvollsten Networking-Kompetenzen: aktives Zuhören. Wer aufmerksam bleibt, nachfragt und seinem Gegenüber Raum gibt, erfährt nicht nur mehr, sondern signalisiert gleichzeitig Wertschätzung.

Zwei Dinge können diesen positiven Eindruck allerdings schnell zerstören: der ständige Blick aufs Smartphone und das aufmerksame Scannen des Raums nach vermeintlich interessanteren Gesprächspartnern. Beides vermittelt eine klare Botschaft: Eigentlich bin ich gerade lieber woanders. Wer dagegen mit seiner Aufmerksamkeit wirklich beim Gegenüber bleibt, schafft Nähe und Vertrauen.

Souverän ankommen – und ebenso souverän weiterziehen

Nicht jeder fühlt sich wohl dabei, eine große, lebhafte Gesprächsgruppe anzusprechen. Gerade introvertierten Menschen fällt der Einstieg häufig leichter, wenn sie zunächst mit einer einzelnen Person oder in einer kleinen Runde ins Gespräch kommen. Schon ein freundlicher Blickkontakt oder ein Lächeln kann eine erste Verbindung schaffen. Wichtig ist, offen und ansprechbar zu wirken, statt sich hinter dem Smartphone zu verstecken.

Und wie beendet man ein Gespräch, ohne unhöflich zu erscheinen?

Ganz einfach: freundlich, klar und selbstverständlich. Beispielsweise mit den Worten: „Ich möchte da hinten noch jemanden begrüßen – wir sehen uns bestimmt später noch einmal.“ Schließlich gehört es zum Wesen eines Networking-Events, mit unterschiedlichen Menschen ins Gespräch zu kommen. Niemand erwartet, dass man den gesamten Abend mit derselben Person verbringt.

Jede Begegnung kann wertvoll sein

Lassen Sie sich nicht von Titeln, Positionen oder Namensschildern leiten. Die spannendsten Kontakte entstehen häufig dort, wo wir sie am wenigsten erwarten. Mein Tipp für den nächsten Networking-Event: Nehmen Sie sich vor, etwas Neues zu erfahren, statt möglichst viel über sich selbst zu erzählen. Denn echtes Interesse ist oft der beste Türöffner.  Vielleicht ist deshalb die beste Vorbereitung auf den nächsten Networking-Event nicht die Frage „Wen möchte ich kennenlernen?“, sondern: „Was kann ich heute von anderen Menschen erfahren und lernen?“

Redaktion: Catherine Tenger, CLT Training; Imme Vogelsang, iv-imagetraining
Foto: iStock-Caiaimage/Sam Edwards